Schlagwort: Kultur & Wissenschaft

  • Haus der Musik: Zu viele Risiken, zu Wenig Antworten

    Haus der Musik: Zu viele Risiken, zu Wenig Antworten

    Braunschweig. „Die Stadt kauft ein Grundstück für über 10 Millionen Euro, verschenkt es faktisch per Erbbaurecht für 99 Jahre und bindet sich gleichzeitig an ein Projekt mit unkalkulierbaren Kosten – das ist weder solide noch verantwortungsvoll.“ Die FDP-Ratsfraktion lehnt den aktuellen Grundsatzbeschluss zum „Haus der Musik“ entschieden ab. Die kulturpolitische Sprecherin der FDP-Ratsfraktion, Anikó Glogowski-Merten, erläutert: „Der ursprüngliche Auftrag war klar: Wir brauchen dringend eine neue städtische Musikschule. Stattdessen wird das Projekt durch die Kopplung an ein Konzerthaus erneut verzögert – und das mit erheblichen finanziellen und strukturellen Risiken für die Stadt.“

    Nach Auffassung der FDP birgt die Vorlage gleich mehrere kritische Punkte:
    – Hohe finanzielle Belastungen durch Grundstückskauf, städtische Zustiftungen und langfristige Miet- und Betreiberverpflichtungen
    – Ein 99 Jahre erbbauzinsfrei vergebenes Erbbaurecht, das den Wert städtischen Eigentums dauerhaft mindert.
    – Eine Stiftungskonstruktion, in der die Stadt viel Geld, aber wenig Steuerungshoheit einbringt
    – Keine klare Perspektive für die Innenstadt, obwohl diese dringend Impulse und Belebung benötigt.

    „Braunschweig braucht eine starke, vielfältige Kulturlandschaft – aber kein Prestigeprojekt, das die Musikschule erneut aufschiebt und die Stadt finanziell über Jahrzehnte bindet,“ so Glogowski-Merten weiter. „Wir wollen die Musikschule schnell und verlässlich umsetzen. Und wir wollen vielfältige kulturelle Angebote dort stärken, wo sie hingehören: mitten in unserer Innenstadt.“ Die FDP bekräftigt deshalb ihre Ablehnung des Beschlusses: „Wir sagen daher weiter Ja zur Musikschule – aber Nein zu diesem riskanten Gesamtpaket, das weiterhin viele Fragen offen lässt.“

  • Wird der Kulturrat eine exklusive Veranstaltung?

    Am Donnerstag um 10 Uhr vormittags tagt der Kulturrat zum ersten Mal. Die kulturpolitische Sprecherin der FDP-Ratsfraktion, Anikó Glogowski-Merten, kritisiert den Termin und die schlechte Vorbereitung desselben: „Der Kulturrat droht eine exklusive Veranstaltung zu werden, viele Kulturschaffende werden aktuell von vornherein ausgeschlossen.“
    Zum einen sei die Uhrzeit für die meisten, die nicht freiberuflich oder in leitenden Positionen tätig sind, unglücklich. „Wer nur nebenberuflich Kunst macht, ein Geschäft betreibt oder Arbeitnehmer ist, kann nicht an einem Wochentag um 10 Uhr an Gremien teilnehmen“, sagt Glogowski-Merten. So ein Termin zeuge vom mangelnden Einfühlungsvermögen der Planer. Zudem fühlten sich viele Kulturschaffende nicht einbezogen. „Wenn der Rat eine Funktion haben soll für die ganze Stadt, muss er so repräsentativ wie möglich sein“, findet die FDP-Ratsfrau. „Das wird unter den gegebenen Vorzeichen schwierig.“
    Auch der Entwurf der Geschäftsordnung stößt nicht auf viel Gegenliebe bei der Freidemokratin. Wie der Kulturrat innerhalb der Braunschweiger Kulturszene und im Verhältnis zur Politik verortet werde, fehle völlig – „sollen die Sprecher des Kulturrates auch beratende Mitglieder im Kulturausschuss werden? Wie werden finanzielle Fragen geregelt? Wie wird sichergestellt, dass alle Bereiche der Kulturszene erreicht werden?“
    Leider sei absehbar, dass der Kulturrat mit all diesen offenen Fragen Schwierigkeiten haben werde, die ihm zugedachte Rolle zu erfüllen. „Er soll das Sprachrohr der Braunschweiger Kulturszene sein – wenn diese aber nur zum Teil teilnehmen kann, ist das unmöglich“, sagt Glogowski-Merten.

  • Länger in die Bücherei? flexiblere Öffnungszeiten prüfen!

    Am Wochenende ist endlich Zeit für Freizeit – aber die Stadtbibliothek hat nach dem Wocheneinkauf schon geschlossen? Die FDP-Ratsfraktion findet, auch wer wochentags lange arbeitet, sollte eine Chance haben, dort nach Büchern stöbern zu können. In einem Antrag zum kommenden Kulturausschuss hat die Fraktion daher die Verwaltung gebeten, zu prüfen, ob zumindest gelegentlich die Öffnungszeiten der Stadtbibliothek bis in die späten Abendstunden ausgeweitet werden kann. Auch eine monatliche Sonntagsöffnung soll geprüft werden. „Um Kosten zu sparen, könnte man stattdessen an einem Wochentag erst später beginnen“, schlägt Anikó Merten vor. Sie ist kulturpolitische Sprecherin der Ratsfraktion und sagt: „Die aktuellen Öffnungszeiten sind zwar nicht schlecht, aber wir möchten sichergehen, dass wir allen Braunschweigern Teilhabe an diesem Angebot ermöglichen können.“

    Wie viele Vormittagsstunden wegfallen müssten, um die Abend- oder Sonntagsöffnungen realisieren zu können, soll die Stadtverwaltung ermitteln, wenn der FDP-Antrag angenommen wird. „Möglich wäre auch, durch Digitalisierung das Personal zu entlasten, um es an anderer Stelle einzusetzen“, sagt Merten. Vor dem Hintergrund der finanziellen Situation der Stadt solle allerdings vermieden werden, mehr Personal einzustellen. „Wir hoffen, so ein Angebot durch Umlegungen von Arbeitszeiten kostenneutral gestalten zu können.“ Einer modernen Großstadt stehe es gut zu Gesicht, Kultur für alle Bürger zugänglich zu machen. 

    Von dem Ursprungsantrag dürfte die FDP heute aber noch etwas abrücken: Laut einer Stellungnahme der Verwaltung sind die wöchentlichen Abendstunden bisher eher schlecht besucht, eine Verlängerung am Samstag sei aber denkbar. Aufgegriffen hat diese Information die Fraktion „die FRAKTION“ und einen Änderungsantrag gestellt, der fordert, die Öffnungszeiten am Samstag zu verlängern, wenn die Umstellung des Buchungssystems erfolgt ist. „Diesen Antrag übernehmen wir gerne“, sagt Merten. „Er erhält unseren Grundgedanken und ist unter den nun bekannt gewordenen Fakten der realistischere und sinnvollere.“